Der Verletzte beim Autounfall, der Kollabierte beim Sport, das Kind mit der Hand auf der Herdplatte – sie alle benötigen eines: Hilfe, und zwar so schnell wie möglich. „Jeder kann etwas tun, denn das Zeitfenster für den Betroffenen kann sehr begrenzt sein, und jede Minute zählt“, lautete die zentrale Botschaft von BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold am Dienstagabend bei der Vortragsreihe von mgo Fachverlagen und Bayerischer Rundschau.

Dippold kennt das Rettungswesen aus eigener Anschauung seit annähernd 30 Jahren, hat diverse Ausbildungen durchlaufen und selber im Rettungsdienst und der Rettungsleitstelle gearbeitet. Seine Ausführungen drehten sich immer wieder um die elementare Wichtigkeit Erster Hilfe – egal wie gut ausgebildet derjenige ist, der als Erster zum Ort des Geschehens kommt. Und darum, dass keiner Angst haben muss zu helfen.„Das A und O ist, dass im Not fall Hilfe organisiert wird“, sagte Dippold. Mit dem Verletzten reden; ihm zeigen, dass er nicht allein ist; den Notruf zielgerichtet absetzen; die alarmierten Profis einweisen an einer Straße oder in einem Firmenkomplex: All das gehört zur vorbildlichen Rettungskette dazu.

Weiterbildung wirkt

Waren es früher vor allen Dingen Verkehrsunfälle, bei denen Erste Hilfe geleistet werden musste, so wurden diese im Lauf der Zeit in der Rangliste abgelöst von Herzinfarkt, Schlaganfall und Kreislaufstillstand. „Zum Vergleich: Im Jahr 1992 hatten wir insgesamt neun Fälle von außerklinischer Reanimation. Heute haben wir in manchen Monaten bis zu 15 dieser Fälle. Man weiß jetzt mehr um die Wirksamkeit der Ersten Hilfe. Und zum Glück bilden sich Menschen fort.“

In den Ersthelferkursen haben sich laut Dippold die Zahlen binnen 30 Jahren fast verdoppelt. „Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Berufsgenossenschaften anhand der Anzahl von Betriebsunfällen selber tätig wurden und entsprechende Ersthelfer ausbilden lassen.“

Dazu kommen neue Forschungsergebnisse, unter anderem zur Wiederbelebung. „Im Landkreis Kulmbach gab es 1994 den ersten Patienten, der offiziell ohne Notarzt defibrilliert wurde. Wir waren damals eine von drei Modellregionen, die mit solchen Geräten ausgestattet wurden“, berichtete Dippold. Mittlerweile hängen an vielen Standorten solche Erst-Defibrillatoren. Vorbei die Zeiten, als Mediziner der Lehrmeinung waren, damit würde dem Betroffenen nur Schaden zugefügt und echte Hilfe könne ausschließlich in der Klinik gewährleistet werden. „Von den Patienten, die mit einem solchen Defi wiederbelebt wurden, überlebt fast die Hälfte – und das unabhängig davon, ob derjenige, der das Gerät bedient, besonders geschult ist oder nicht. Wichtig ist, dass derjenige handelt.“

Wie es ist, sich in einer – wenn auch gespielten – Notfallsituation richtig zu verhalten, zeigte Dippold an einem Beispiel. Ein Mensch liegt am Boden, schreit, spricht von Schmerzen in der Hüfte; aus einer Platzwunde am Kopf tritt Blut aus. Die Gruppe, bestehend aus etwa 25 Personen, zögert zunächst, bis jemand nicht mehr länger wartet, sondern handelt, die Wunde mit einem Pflaster versorgt und schließlich die 112 anruft, um der Leitstelle mitzuteilen, was passiert ist, wer betroffen ist und wo der Verletzte liegt.

Dippold appellierte an die Zuhörer, mutig zu sein, trotz eigener Bedenken beherzt einzugreifen.„Man muss sich klar werden, dass bei einem Menschen mit Atem- und Kreislaufstillstand die Überlebenschance mit jeder Minute, die verstreicht, um zehn Prozent sinkt. Daran lässt sich ermessen, wie essenziell schnelles Handeln ist.“

Jochen Nützel

kommende Vorträge
Vortrag zum Thema Erste Hilfe am 18. Februar in Kulmbach

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